PIT linear 19%
wann lohnt sich das, und wann nicht?
PIT linear (Flat Tax) 19% ist eine Alternative zur progressiven Einkommensteuer (12/32%). Klingt attraktiv — derselbe Prozentsatz für alle. Aber lohnt sich das wirklich? In diesem Artikel analysiere ich den Rentabilitätspunkt (ca. 120.000 EUR Jahreseinkommen), die Verluste (keine Krankenversicherungsvergünstigung, keine Familienvergünstigungen) und zeige konkrete Berechnungsbeispiele für Freelancer, Auftragnehmer und Unternehmen.
Was ist PIT linear 19%?
PIT linear ist ein Steuersystem, bei dem jede Person, unabhängig von der Höhe ihres Einkommens, denselben Prozentsatz Steuern zahlt — 19%. Dies ist eine Alternative zur klassischen progressiven Einkommensteuer, bei der der Steuersatz mit dem Einkommen steigt.
Schnellvergleich:
- PIT progressiv: 12% bis 120.061 EUR, 32% auf jeden Euro darüber (plus Vergünstigungen, Abzüge, gemeinsame Abrechnung)
- PIT linear 19%: genau 19% vom gesamten Einkommen, keine Familienvergünstigungen, keine gemeinsame Abrechnung
Die Wahl zwischen einer oder der anderen Option ist manchmal obligatorisch (gilt für bestimmte Tätigkeitsformen) und manchmal freiwillig. Wenn Sie die Wahl haben — es lohnt sich, alle Konsequenzen zu kennen.
PIT linear vs. progressiv — Vergleich in Zahlen
Um zu verstehen, wann sich PIT linear lohnt, müssen wir den tatsächlichen Effektivsteuersatz für beide Systeme berechnen. Denken Sie daran: Mit PIT linear verlieren Sie das Recht auf bestimmte Vergünstigungen!
| Jahreseinkommen | PIT progressiv (12/32%) | PIT linear 19% | Unterschied |
|---|---|---|---|
| 60.000 EUR | 7.200 EUR (12%) | 11.400 EUR (19%) | –4.200 EUR (–58% mehr bei linear) |
| 100.000 EUR | 12.007 EUR (12%) | 19.000 EUR (19%) | –6.993 EUR (–58% mehr bei linear) |
| 120.000 EUR | 14.407 EUR (12%) | 22.800 EUR (19%) | –8.393 EUR (–58% mehr bei linear) |
| 150.000 EUR | 23.427 EUR (15,6% eff.) | 28.500 EUR (19%) | –5.073 EUR (–18% mehr bei linear) |
| 200.000 EUR | 39.627 EUR (19,8% eff.) | 38.000 EUR (19%) | +1.627 EUR (+4% weniger bei linear) |
| 300.000 EUR | 77.827 EUR (25,9% eff.) | 57.000 EUR (19%) | +20.827 EUR (+27% weniger bei linear) |
Wichtige Erkenntnis: Der „Rentabilitätspunkt" von PIT linear liegt bei etwa 120.000–150.000 EUR Jahreseinkommen. Darunter ist progressiv deutlich günstiger. Darüber anfangend amortisiert sich linear.
Krankenversicherungsvergünstigung — was Sie bei PIT linear verlieren
Dies ist einer der größten Nachteile von PIT linear, den viele Unternehmer ignorieren.
Bei PIT progressiv
Sie können 9% der Krankenversicherungsprämie als Steuervergünstigung abziehen. Wenn Sie monatlich etwa 300 EUR Sozialversicherungsbeiträge zahlen, sind das pro Jahr 3.600 EUR. Die Vergünstigung beträgt 9% × 3.600 EUR = 324 EUR weniger Steuern pro Jahr.
Bei PIT linear
Sie verlieren diese ganze Vergünstigung. Sie zahlen die vollständige Prämie (z.B. 3.600 EUR pro Jahr) ohne irgendeinen Abzug. Das bedeutet einen zusätzlichen Verlust von etwa 300–400 EUR pro Jahr für einen typischen Unternehmer.
Wer gewinnt?
Personen mit niedrigem Einkommen (unter 100.000 EUR) — für sie ist progressiv mit Krankenversicherungsvergünstigung immer günstiger. Personen mit hohem Einkommen (über 200.000 EUR) — können sich den Verlust dieser Vergünstigung leisten, da die Steuereinsparungen ohnehin riesig sind.
Keine Familienvergünstigungen — großes Problem für Familien
Wenn Sie eine Familie haben, ist PIT linear für Sie möglicherweise völlig unrentabel.
Bei PIT linear nicht verfügbare Vergünstigungen:
- Kinderergänzung — 12 EUR pro Kind monatlich (144 EUR pro Jahr pro Kind). Für zwei Kinder sind das 288 EUR weniger Steuern pro Jahr
- Gemeinsame Abrechnung mit Ehepartner — wenn einer der Ehepartner niedriger verdient, kann die gemeinsame Abrechnung bei progressiv Hunderte von Euro pro Jahr sparen
- Vergünstigung für alleinerziehende Eltern — zusätzlicher 2% Steuernachlass (nicht verfügbar bei linear)
- Kinderbetreuungsabzug — wenn Sie Kindergarten- oder Kinderbetreuungskosten haben, können Sie diese bei progressiv abziehen
Beispiel: Eine Familie mit zwei Kindern und 150.000 EUR Jahreseinkommen bei PIT progressiv spart etwa 300–500 EUR pro Jahr nur durch Familienvergünstigungen. Bei PIT linear bekommen Sie dieses Geld nicht zurück.
Rentabilitätspunkt von PIT linear — genaue Berechnungen
Wenn das Unternehmenseinkommen X EUR pro Jahr beträgt, ist der Rentabilitätspunkt die Summe, ab der PIT linear rentabel wird. Schätzungsweise liegt er bei etwa 120.000–150.000 EUR, hängt aber von persönlichen Vergünstigungen ab.
Berechnung für konkrete Szenarien:
Szenario 1: Freelancer ohne Familie, ohne Vergünstigungen
Einkommen: 150.000 EUR
- PIT progressiv: 12% auf erste 120.061 EUR = 14.407 EUR, + 32% auf 29.939 EUR = 9.580 EUR. Insgesamt: 23.987 EUR. Minus Krankenversicherungsvergünstigung (9% × 3.600) = 324 EUR. Zahlbar: 23.663 EUR
- PIT linear: 19% × 150.000 EUR = 28.500 EUR. Zahlbar: 28.500 EUR
- Fazit: Progressiv ist um 4.837 EUR günstiger
Szenario 2: B2B Auftragnehmer, Einkommen 250.000 EUR
Einkommen: 250.000 EUR
- PIT progressiv: 14.407 EUR (auf 120.061 EUR) + 32% × 129.939 EUR = 41.581 EUR. Insgesamt: 55.988 EUR. Minus Krankenversicherungsvergünstigung 324 EUR. Zahlbar: 55.664 EUR
- PIT linear: 19% × 250.000 EUR = 47.500 EUR. Zahlbar: 47.500 EUR
- Fazit: Linear ist um 8.164 EUR günstiger
Szenario 3: Familie mit zwei Kindern, Einkommen 180.000 EUR
Einkommen: 180.000 EUR
- PIT progressiv: 14.407 EUR (auf 120.061 EUR) + 32% × 59.939 EUR = 19.181 EUR. Insgesamt: 33.588 EUR. Minus Krankenversicherungsvergünstigung 324 EUR, minus Kinderergänzung (2 Kinder × 12 EUR × 12 Monate) = 288 EUR. Zahlbar: 32.976 EUR
- PIT linear: 19% × 180.000 EUR = 34.200 EUR. Zahlbar: 34.200 EUR
- Fazit: Progressiv ist um 1.224 EUR günstiger
Für wen lohnt sich PIT linear?
Lohnt sich (sollten linear wählen):
- Freelancer und B2B-Spezialisten mit Einkommen über 200.000 EUR pro Jahr — sparen Tausende von Euro pro Jahr
- Ausländische Auftragnehmer, die für ausländische Kunden arbeiten — oft das ganze Einkommen ist außerhalb Deutschlands, daher spielt die progressive Skala keine Rolle
- Personen ohne Familie — ohne Familienvergünstigungen können Einsparungen über 150.000 EUR erheblich sein
- Kleinunternehmer mit Einkommen 180.000–300.000 EUR, ohne Mitarbeiter und Familie
- Personen mit Einkommen aus Neben-quellen (z.B. Tantiemen, Mietverhältnisse) über 150.000 EUR pro Jahr
Lohnt sich nicht (sollten progressiv wählen):
- Familien mit Kindern — Familienvergünstigungen können 300–600 EUR pro Jahr wert sein, das ist ein großer Teil der Einsparungen
- Personen mit Einkommen unter 120.000 EUR pro Jahr — progressiv ist immer günstiger
- Alleinerziehende Eltern — verlieren die Vergünstigung für alleinerziehende Eltern (2% Rabatt)
- Personen mit niedrigem Haupteinkommen und Nebengeschäft — gemeinsame Abrechnung bei progressiv kann vorteilhaft sein
- Arbeitnehmer im Angestelltenverhältnis — haben normalerweise keine Wahlmöglichkeit
Häufige Fehler und Tipps zur Wahl des richtigen Systems
Fehler 1: Auswahl von PIT linear aufgrund des "schönen" 19%-Satzes
Nur weil 19% ein einheitlicher Satz ist, heißt das nicht, dass er immer günstiger ist. Immer Szenarien durchrechnen!
Fehler 2: Familienvergünstigungen nicht berücksichtigen
Bei Kindern oder geplanten Kindern sollte man die Kinderergänzung und gemeinsame Abrechnung einkalkulieren.
Fehler 3: Falscher Moment der Wahl
PIT linear kann man nicht mitten im Jahr wechseln. Wählen Sie am Anfang des Jahres, aber denken Sie über mehrere Jahre voraus.