PPK 2026 — Arbeitgeberpflichten in Polen
PPK (Pracownicze Plany Kapitałowe — Mitarbeiter-Kapitalpläne) ist das polnische Pendant zur betrieblichen Altersvorsorge. Seit 2019 stufenweise eingeführt, ist es 2026 für alle Arbeitgeber verpflichtend. Hier erfahren Sie alle Arbeitgeberpflichten, Beiträge, Verfahren und Strafen bei Nichteinhaltung.
Was ist PPK?
PPK ist ein freiwilliges Sparmodell für Mitarbeiter mit obligatorischer Beteiligung des Arbeitgebers (sofern der Mitarbeiter nicht ausdrücklich austritt). Die Beiträge werden in einen Investmentfonds eingezahlt, der vom Mitarbeiter selbst gewählt wird.
Beiträge 2026
| Quelle | Pflichtbeitrag | Optional zusätzlich |
|---|---|---|
| Mitarbeiter | 2 % vom Bruttolohn | +0,5 % bis +2 % |
| Arbeitgeber | 1,5 % vom Bruttolohn | +0,5 % bis +2,5 % |
| Staat (Bund) | 250 PLN Eintrittsbonus + 240 PLN/Jahr | — |
Beispiel: Bei 6.000 PLN Brutto: Arbeitnehmer 120 PLN, Arbeitgeber 90 PLN, Staat 20 PLN/Monat. Bei 30 Jahren Sparen + 5 % p.a. Rendite: ca. 250.000 PLN Endvermögen.
Welche Arbeitgeber sind PPK-pflichtig?
Seit 1.1.2021 alle Arbeitgeber mit mindestens 1 PPK-pflichtigen Mitarbeiter. Ausnahmen:
- Mikrounternehmer (1–9 Mitarbeiter), bei denen alle Beschäftigten freiwillig ausgetreten sind
- Selbstständige ohne Mitarbeiter
- Religiöse Vereinigungen
PPK-pflichtige Mitarbeiter
- Beschäftigte zwischen 18 und 70 Jahren mit Pflicht-Sozialversicherung in Polen
- Bei Personen über 55 Jahren: nur freiwillig (kein Auto-Eintritt)
- Personen unter 18 oder über 70: keine PPK
Auto-Eintritt und Austritt
Auto-Eintritt
Mitarbeiter werden automatisch in PPK angemeldet. Sie können jederzeit austreten — die Erklärung muss alle 4 Jahre erneuert werden, sonst wird der Mitarbeiter wieder automatisch eingetragen. Letzte Auto-Eintragungswelle: 1. April 2027.
Austrittserklärung (deklaracja rezygnacji)
Mitarbeiter füllt Formular aus, gibt es dem Arbeitgeber. Wirkung: ab dem Folgemonat keine Beiträge mehr. Erneuerung alle 4 Jahre erforderlich.
Pflichten des Arbeitgebers — Schritt für Schritt
1. Vertrag mit Finanzinstitut (umowa o zarządzanie)
Vertrag mit einem TFI (Towarzystwo Funduszy Inwestycyjnych — Investmentfondsgesellschaft) abschließen. Auswahl aus 20+ zugelassenen Anbietern (PFR Portal). Pflicht-Auswahlprozess:
- Konsultation mit Mitarbeitervertretung (sofern vorhanden) oder direkt mit Mitarbeitern
- Vergleich der Anbieter (Gebühren, Renditen, Service)
- Vertragsabschluss spätestens 14 Tage vor Beginn der Beitragspflicht
2. Vertrag über PPK-Führung (umowa o prowadzenie)
Im Namen jedes Mitarbeiters ein individuelles PPK-Konto eröffnen. Ausnahme: Mitarbeiter, die innerhalb der ersten 3 Monate ausgetreten sind.
3. Mitarbeiter informieren
- Schriftliche Information über PPK-Bedingungen
- Hinweis auf Auto-Eintritt und Austrittsrecht
- Hinweis auf staatlichen Eintrittsbonus
- Bei neuem Mitarbeiter: Info innerhalb von 7 Tagen
4. Beitragsabführung
- Mitarbeiterbeitrag (2 %) wird vom Lohn abgezogen
- Arbeitgeberbeitrag (1,5 %) wird zusätzlich gezahlt
- Überweisung auf das PPK-Konto bis zum 15. des Folgemonats
- Bei verspäteter Zahlung: Verzugszinsen + ggf. Bußgeld
5. Lohnabrechnung anpassen
PPK-Mitarbeiterbeitrag: Vom Bruttolohn abziehen (nach ZUS, vor PIT). PPK-Arbeitgeberbeitrag: Erhöht das steuerpflichtige Einkommen des Mitarbeiters um diesen Betrag (PIT-pflichtig, ZUS-frei).
6. Jährliche Berichte
- PIT-11 mit ausgewiesenem PPK-Anteil als Einkommen
- JPK-PPK-Datei (vom TFI generiert)
- Jährlicher Statusbericht an PFR (vom TFI automatisch)
Strafen bei Nichteinhaltung
| Verstoß | Strafe |
|---|---|
| Kein Vertrag mit TFI | 1.000 bis 1.000.000 PLN |
| Mitarbeiter zur Nicht-Anmeldung gedrängt | 1,5 % der Lohnsumme oder bis 1 Mio. PLN |
| Verspätete Beiträge | Verzugszinsen + Bußgeld bis 50.000 PLN |
| Falsche Berichte | 1.000 bis 100.000 PLN |
PPK-Mittel — was passiert mit dem Geld?
- Investiert in einen lebenszyklusbasierten Fonds (Defined Date Fund) — Anlagestrategie passt sich am Alter an
- Mitarbeiter kann Fonds aus dem Anbieter-Portfolio wählen
- Auszahlung mit 60 Jahren: 25 % steuerfrei + 75 % als Rente über 10 Jahre
- Vorzeitige Auszahlung möglich (z. B. für Wohnungskauf — bis 100 % als Darlehen mit Rückzahlung) oder bei schwerer Krankheit (zinsfrei)
Vorteile für den Arbeitgeber
- PPK-Beiträge sind als Betriebsausgabe abzugsfähig
- Höhere Mitarbeiterbindung — PPK gilt als Benefit
- Wettbewerbsvorteil im War for Talent
- Optionale zusätzliche Beiträge (bis 4 % vom Brutto) als steuerlich begünstigtes Mitarbeiter-Incentive
FAQ
Was, wenn alle Mitarbeiter aussteigen?
Der Vertrag mit dem TFI bleibt bestehen. Bei einem neuen Mitarbeiter erfolgt erneut Auto-Eintritt — das System läuft weiter, nur ohne aktuelle Beiträge. Mikrounternehmer (unter 10 Mitarbeiter) können den Vertrag in diesem Fall kündigen.
Können neue Mitarbeiter abgelehnt werden?
Nein. Ablehnung von PPK-pflichtigen Mitarbeitern ist verboten und gilt als Diskriminierung. Strafe bis 1 Mio. PLN.
Wie wirkt sich PPK auf das Nettogehalt aus?
Bei 6.000 PLN Brutto: Mitarbeiterbeitrag 120 PLN reduziert das Netto um diesen Betrag, weil er nach ZUS, aber vor PIT abgezogen wird (PIT-Ersparnis ca. 14 PLN). Effektive Netto-Reduktion: ~106 PLN.
Können Geschäftsführer einer Sp. z o.o. PPK nutzen?
Nur wenn sie als Angestellte (UoP) bei der Gesellschaft beschäftigt sind. Bei reinem „Vorstandsamt" ohne Arbeitsvertrag: keine PPK.
Wie wechsle ich den TFI-Anbieter?
Möglich nach Konsultation mit Mitarbeitervertretung. Übertragung der bestehenden Mittel (transfer środków) — kostenlos. Mitarbeiter müssen informiert werden.