Split Payment (MPP) — wann verpflichtend 2026?
MPP (Mechanizm Podzielonej Płatności — geteiltes Zahlungsverfahren) ist die polnische Antwort auf MwSt.-Karussellbetrug. Bei betroffenen Branchen und Beträgen ist die Aufteilung in Netto- und MwSt.-Konto seit 2019 Pflicht. Hier erfahren Sie, wann MPP zwingend ist, welche Branchen betroffen sind und welche Strafen drohen.
Wie funktioniert Split Payment?
Beim MPP-Verfahren wird der Rechnungsbetrag aufgeteilt:
- Nettobetrag → reguläres Geschäftskonto des Verkäufers
- MwSt.-Betrag → spezielles MwSt.-Konto (Rachunek VAT) des Verkäufers
Die Bank trennt das automatisch beim Empfang der Zahlung mit MPP-Markierung. Der Verkäufer kann das MwSt.-Konto-Guthaben grundsätzlich nur für MwSt.-Zahlungen, ZUS, PIT und CIT verwenden.
Wann ist MPP verpflichtend?
Beide Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein:
- Bruttobetrag der Rechnung > 15.000 PLN (oder Gegenwert in Fremdwährung)
- Mindestens eine Position aus der Anlage 15 zur Ustawa o VAT — Liste der MPP-pflichtigen Waren/Dienstleistungen
Sind beide erfüllt, muss die Rechnung den Vermerk „mechanizm podzielonej płatności" tragen. Der Käufer ist verpflichtet, mit MPP zu zahlen.
Anlage 15 — Branchen mit MPP-Pflicht
Hauptkategorien (über 150 Positionen):
- Stahl und Eisen — Walzdraht, Stahlträger, Bewehrungsstäbe, Stahlrohre, Drähte
- Brennstoffe — Diesel, Benzin, Flüssiggas, Heizöl
- Elektronik — Laptops, Smartphones, Tablets, Spielekonsolen, Festplatten, Prozessoren
- Edelmetalle und Schmuck — Gold, Silber, Platin, Palladium
- Recycling-Rohstoffe — Schrott, Altmetall, Altpapier, Altglas
- Bauleistungen — Subunternehmer-Bauarbeiten (zwischen Unternehmen)
- Autoteile und Fahrzeuge — Motoren, Getriebe, Pkw-Karosserien
- Treibstoff- und Kraftstoffersatz — Bioethanol, Biokraftstoffe
Die vollständige Liste mit PKWiU-Codes finden Sie in der Anlage 15 zum polnischen MwSt.-Gesetz.
Pflichten beim MPP
Pflichten des Verkäufers
- Rechnung mit Vermerk „mechanizm podzielonej płatności"
- Spezielles MwSt.-Konto (Rachunek VAT) bei der Bank — wird automatisch zu jedem Geschäftskonto eröffnet
- Eintrag der MPP-Markierung im JPK_V7M (Feld MPP)
Pflichten des Käufers
- Zahlung über MPP-Überweisung (im Online-Banking-Formular MPP wählen)
- Trennung in Netto- und MwSt.-Anteil
- NIP des Verkäufers, Rechnungsnummer und Bezugnahme im Zahlungsauftrag
Strafen bei Nichteinhaltung
Strafen für den Verkäufer
- Fehlender Vermerk „mechanizm podzielonej płatności" auf der Rechnung: 30 % der MwSt. aus den betroffenen Positionen
- Nichtmarkierung im JPK_V7M: 100–500 PLN je Verstoß
Strafen für den Käufer
- Zahlung ohne MPP trotz Pflicht: 30 % der MwSt. aus den betroffenen Positionen
- Aberkennung der MwSt.-Position als Betriebsausgabe (PIT/CIT): kein Kostenabzug bei Verstoß
- Solidarische Haftung mit dem Verkäufer für nicht abgeführte MwSt.
Beispiel: Rechnung 20.000 PLN brutto (Nettowert 16.260 PLN, MwSt. 3.740 PLN) für Stahlträger. Käufer zahlt ohne MPP. Strafe: 3.740 × 30 % = 1.122 PLN. Zusätzlich werden die 16.260 PLN nicht als Kosten anerkannt — das schlägt zusätzlich mit ~3.090 PLN PIT (19 % Linearsteuer) zu Buche.
Freiwilliges MPP
Auch außerhalb der Pflicht kann MPP freiwillig genutzt werden. Vorteile für den Käufer:
- Schutz vor solidarischer Haftung
- Schnellere MwSt.-Rückerstattung (25 statt 60 Tage)
- Schutz beim Verlust der Whitelist-Eintragung des Verkäufers
- Erleichterung bei Steuerprüfungen
MwSt.-Konto (Rachunek VAT)
Jede polnische Bank eröffnet automatisch ein MwSt.-Subkonto zu jedem Geschäftskonto:
Verwendungszweck der Mittel
- MwSt.-Zahlungen ans Finanzamt
- MwSt.-Anteile auf eingehenden MPP-Rechnungen
- ZUS-Beiträge (seit 2018 erlaubt)
- PIT, CIT, Akzisesteuer
- Zollabgaben
- Andere öffentliche Lasten
Übertragung auf das Geschäftskonto
Sie können beim Finanzamt einen Antrag auf Übertragung des MwSt.-Konto-Guthabens auf das Hauptkonto stellen — das Finanzamt prüft die Berechtigung in 60 Tagen. Voraussetzung: keine MwSt.-Rückstände.
Whitelist (Biała lista podatników VAT)
Die polnische Whitelist (mf.gov.pl) enthält alle aktiven MwSt.-Pflichtigen mit ihren Bankkonten. Vor jeder Überweisung über 15.000 PLN zwingend zu prüfen:
- Steht der Verkäufer auf der Whitelist?
- Stimmt das Empfängerkonto mit dem in der Whitelist eingetragenen überein?
Bei Nichtprüfung droht solidarische Haftung für nicht abgeführte MwSt.
FAQ
Was, wenn die Rechnung nur teilweise MPP-pflichtige Waren enthält?
Nur der MwSt.-Anteil der MPP-pflichtigen Positionen muss über das MwSt.-Konto gezahlt werden. Die übrigen Positionen können regulär bezahlt werden — in der Praxis wird oft die gesamte Rechnung über MPP abgewickelt.
Gilt MPP auch bei Auslandsüberweisungen?
Nein. MPP ist auf inländische Zahlungen in PLN beschränkt. Bei EU-Reverse-Charge-Geschäften greift es nicht.
Was passiert, wenn das Bankkonto nicht für MPP geeignet ist?
Alle polnischen Geschäftskonten haben automatisch ein MwSt.-Konto. Privatkonten oder ausländische Konten sind ungeeignet — Geschäftspartner sollten ein polnisches Geschäftskonto angeben.
Kann ich MPP für Ratenzahlungen nutzen?
Ja, jede Teilzahlung muss aber mit MPP-Markierung gehen, mit korrektem MwSt.-Anteil pro Rate.
Wie wirkt sich MPP auf KSeF aus?
MPP-pflichtige Rechnungen werden in KSeF mit dem Feld „MPP = true" gekennzeichnet. Das System prüft das automatisch und meldet bei fehlender Markierung einen Validierungsfehler.