B2B-Vertrag und ZUS — wer zahlt die Beiträge in Polen 2026?
Beim B2B-Vertrag (umowa B2B — Vertrag zwischen zwei Selbstständigen) zahlt der Auftraggeber keine ZUS-Beiträge für den Auftragnehmer. Die ZUS-Pflicht trägt der Selbstständige selbst aus seiner JDG. Hier erfahren Sie alle Details, Vergleich mit Arbeitsverträgen (UoP) und Werkverträgen (umowa zlecenie) — und wie Sie die ZUS-Last optimieren.
Was ist ein B2B-Vertrag?
B2B steht für „Business-to-Business" — ein Vertrag zwischen zwei Selbstständigen oder Unternehmen. In Polen meint das in der Praxis: Ein JDG-Inhaber stellt einer Firma eine Rechnung für Leistungen aus. Es ist kein Arbeitsvertrag, sondern ein zivilrechtlicher Liefer- bzw. Dienstleistungsvertrag.
Wer zahlt die ZUS-Beiträge bei B2B?
Der Auftragnehmer (Selbstständige) selbst, nicht der Auftraggeber. Der Selbstständige zahlt seine ZUS-Beiträge direkt an die ZUS-Behörde — der Auftraggeber überweist nur den Rechnungsbetrag.
ZUS-Beträge 2026 für JDG
| System | Monatlich | Jährlich |
|---|---|---|
| Standard-ZUS | ~3.129 PLN | ~37.548 PLN |
| Mały ZUS (Start-Vergünstigung 24 Monate) | ~530 PLN | ~6.360 PLN |
| Mały ZUS Plus (für Umsatz unter 300k) | ~1.270 PLN | ~15.240 PLN |
B2B vs. UoP vs. Werkvertrag — Vergleich
| Merkmal | UoP (Arbeitsvertrag) | Umowa zlecenie (Werkvertrag) | B2B (Selbstständigenvertrag) |
|---|---|---|---|
| ZUS Arbeitnehmer | Pflicht (Brutto-Anteil) | Pflicht oder reduziert | Selbstständig zahlt |
| ZUS Arbeitgeber | Pflicht (~20 % Brutto) | Pflicht oder reduziert | Keine |
| PIT | Lohnsteuer (12/32 %) | Lohnsteuer (12/32 %) | JDG-Steuer (12/32, 19 % linear, oder Ryczałt) |
| Krankheitsschutz | Voll | Reduziert | Selbst zu organisieren |
| Urlaub | 20–26 Tage bezahlt | Nein (sofern nicht vereinbart) | Nein |
| Kündigungsschutz | Voll | Reduziert | Vertraglich frei |
| Buchhaltung | Keine | Keine | KPiR oder Ryczałt |
Vergleichsbeispiel: 12.000 PLN/Monat
Variante UoP (Arbeitsvertrag)
- Bruttolohn 12.000 PLN
- Arbeitnehmer-ZUS: −1.645 PLN
- NFZ: −932 PLN
- PIT-Vorauszahlung: −800 PLN
- Netto: ~8.623 PLN
- Arbeitgeber-Gesamtkosten: ~14.460 PLN
Variante B2B (mit Standard-ZUS)
- Rechnung: 12.000 PLN netto + 2.760 PLN MwSt. = 14.760 PLN brutto
- Auftraggeber zieht MwSt. als Vorsteuer ab (Nettokosten 12.000 PLN)
- Selbstständiger erhält 14.760 PLN; muss MwSt. abführen → 12.000 PLN
- ZUS Standard: −3.129 PLN
- PIT 19 % Linearsteuer auf (12.000 − ZUS-Anteil) ≈ −2.040 PLN
- Netto: ~6.831 PLN (mit Standard-ZUS)
Variante B2B (mit Mały ZUS Plus)
- Bei Umsatz unter 300k/Jahr: ZUS nur ~1.270 PLN
- PIT 19 % Linearsteuer auf 12.000 − 1.270 ≈ ~2.040 PLN
- Netto: ~8.690 PLN — vergleichbar mit UoP, aber für den Auftraggeber günstiger (~14.760 vs. ~14.460)
Fazit: Bei niedrigen ZUS-Sätzen (Mały ZUS Plus) ist B2B für beide Seiten oft besser. Bei voller ZUS-Pflicht muss der Stundensatz ~30 % höher als bei UoP sein, um gleiches Netto zu erzielen.
Achtung: Scheinselbstständigkeit
Polnisches Arbeitsrecht und ZUS prüfen, ob ein B2B-Vertrag tatsächlich Selbstständigkeit darstellt — oder verkappten Arbeitsvertrag (sog. „pozorne samozatrudnienie"). Risikofaktoren:
- Nur ein Auftraggeber, ohne Bemühung um andere
- Tägliche Arbeit unter Anweisung im Büro des Auftraggebers
- Festes Arbeitszeitmodell (Mo–Fr 9:00–17:00)
- Vom Auftraggeber gestellte Geräte und Software
- Wöchentliche / monatliche Festvergütung statt Erfolgsabrechnung
Bei Aberkennung: Vertrag wird in UoP umgewandelt — mit rückwirkender ZUS- und PIT-Nachzahlung beim Auftraggeber. Strafen bis zu 30.000 PLN möglich.
Vorteile des B2B
- Niedrigere effektive Belastung bei mittleren / hohen Einkommen
- Linearsteuer 19 % statt progressiver Tarif
- Möglichkeit, Betriebsausgaben abzusetzen (PKW, Equipment, Internet, Heimbüro)
- Mały ZUS Plus möglich (Ersparnis ~22.000 PLN/Jahr)
- Flexibilität: mehrere Auftraggeber gleichzeitig
Nachteile des B2B
- Standard-ZUS-Last (~3.129 PLN/Monat) trotz niedrigem Einkommen
- Kein bezahlter Urlaub, kein Krankengeld in den ersten 90 Tagen
- Kein Kündigungsschutz
- Eigene Buchhaltung organisieren
- Risiko Scheinselbstständigkeit
FAQ
Muss ich als JDG-Inhaber zusätzlich zur Arbeitsvertrag-ZUS eigene zahlen?
Wenn Sie gleichzeitig als Angestellter und JDG-Inhaber tätig sind: ZUS aus dem Arbeitsvertrag deckt Renten- und Erwerbsunfähigkeit ab. Aus der JDG zahlen Sie nur die NFZ-Krankenversicherung — Renten- und Erwerbsunfähigkeit sind freiwillig (zbieg tytułów ubezpieczeń).
Kann ich Mały ZUS Plus mit B2B kombinieren?
Ja, sofern Jahresumsatz unter 300.000 PLN und Sie nicht im Vorjahr für denselben Auftraggeber als Arbeitnehmer tätig waren — Sondersperre nach Art. 18a Ustawa o systemie ubezpieczeń społecznych.
Kann der Auftraggeber meine ZUS-Beiträge übernehmen?
Nicht direkt. Er kann jedoch den Stundensatz so kalkulieren, dass die ZUS-Last gedeckt ist — er übernimmt keine ZUS-Verantwortung, zahlt aber höher.
Was passiert mit der Krankenversicherung bei B2B?
Die NFZ-Krankenversicherung wird in den ZUS-Beiträgen abgerechnet. Beim Linearsteuer-Modell beträgt sie 4,9 % vom Einkommen mit Mindestbetrag ~419 PLN/Monat (Stand Anfang 2026).
Bin ich versichert, wenn ich bei B2B krank werde?
Bei Standard-ZUS und freiwilliger Krankenversicherung (chorobowa, 2,45 %): Krankengeld nach 90 Tagen Mitgliedschaft. Ohne freiwillige Krankenversicherung: kein Krankengeld, keine Bezahlung bei Arbeitsunfähigkeit.