Globale Mindeststeuer 15 % (Pillar 2) in Polen 2026
Globale Mindeststeuer 15 % (OECD Pillar 2 / GloBE) ist seit 2024 in der EU umgesetzt, in Polen seit 1.1.2025 in Kraft. Sie betrifft multinationale Konzerne mit Konzernumsatz über 750 Mio. EUR. Hier alle Mechanismen: IIR, UTPR, QDMTT — wen es betrifft, wie es berechnet wird, welche Pflichten in Polen gelten.
Was ist Pillar 2?
Pillar 2 (zweite Säule des OECD/G20-Pakets) ist eine globale Mindestbesteuerung von 15 % für multinationale Konzerne. Ziel: Verhinderung von Gewinnverlagerung in Niedrigsteuerländer (Race to the Bottom).
Drei Mechanismen
- IIR — Income Inclusion Rule (Hauptregel): Mutterunternehmen zahlt zusätzlichen Steuerzuschlag, wenn Tochter im Niedrigsteuerland weniger als 15 % zahlt
- UTPR — Undertaxed Payments Rule (Ergänzungsregel): wenn IIR nicht greift, andere Konzerngesellschaften zahlen den Differenzbetrag
- QDMTT — Qualified Domestic Minimum Top-Up Tax (nationale Variante): Polen erhebt selbst den Differenzbetrag von in Polen ansässigen Tochtergesellschaften globaler Konzerne
Wer ist betroffen?
Schwellenwerte
- Konzern-Konsolidierte Einnahmen: über 750 Mio. EUR in mind. 2 der letzten 4 Jahre
- Multinationaler Konzern: Aktivität in mind. 2 Ländern
Befreiungen
- Investmentfonds (regulated funds)
- Pensionsfonds
- Staatliche Einrichtungen
- Internationale Organisationen
- Non-Profit-Organisationen
- De-minimis-Schwelle: bei Konzern-Umsatz unter 10 Mio. EUR und Gewinn unter 1 Mio. EUR im Jurisdiktionsland — keine Top-Up-Tax
Wie wird die Top-Up-Tax berechnet?
Schritt 1: ETR (Effective Tax Rate) je Jurisdiktion
Effektiver Steuersatz = Adjusted Covered Taxes / GloBE Income. Berechnet pro Land, nicht pro Gesellschaft. Wenn ETR < 15 %, fällt Top-Up-Tax an.
Schritt 2: Top-Up-Steuersatz
Top-Up-Rate = 15 % minus ETR. Beispiel: ETR in Polen 12 % → Top-Up = 3 %.
Schritt 3: Excess Profit
Bemessungsgrundlage = GloBE Income minus Substance-based Income Exclusion (SBIE). SBIE = 5 % der materiellen Anlagen + 5 % der Lohnkosten.
Schritt 4: Top-Up-Tax
Top-Up-Tax = Top-Up-Rate × Excess Profit. Wird über IIR (Mutter), UTPR (Konzerngesellschaften) oder QDMTT (Land der Tochter) erhoben.
Beispiel — polnischer Konzern
Polnische Holding mit Tochtergesellschaft auf Malta:
- Maltesische Tochter: Gewinn 50 Mio. EUR, gezahlte Steuer 5 Mio. EUR (ETR 10 %)
- Top-Up-Rate: 15 % − 10 % = 5 %
- SBIE: 2 Mio. EUR (Anlagen + Lohn)
- Excess Profit: 50 − 2 = 48 Mio. EUR
- Top-Up-Tax: 48 × 5 % = 2,4 Mio. EUR
Diese 2,4 Mio. EUR werden:
- Wenn Malta QDMTT eingeführt hat: an Malta abgeführt
- Sonst: an Polen über IIR (an die Holding)
Polnische Implementierung
Gesetz
Ustawa o opodatkowaniu wyrównawczym jednostek składowych grup międzynarodowych i krajowych (in Kraft seit 1.1.2025).
Drei polnische Top-Up-Steuern
- Polnische QDMTT — auf in Polen ansässige Tochtergesellschaften globaler Konzerne
- Polnische IIR — auf in Polen ansässige Mutterunternehmen mit Niedrigsteuer-Töchtern
- Polnische UTPR — Auffangregel, ab 2026
Pflichten der polnischen Steuerpflichtigen
GloBE Information Return
- Erstmals einzureichen bis 30. Juni 2027 für 2025
- Inhalt: ETR-Berechnung pro Jurisdiktion, Konzernstruktur, Top-Up-Tax
- Format: international standardisiertes XML-Schema
- Bei mehrjährigen Konzern: einmalige Abgabe durch designierte Gesellschaft (UPE)
Top-Up-Tax-Erklärung in Polen
- Erstmals: bis 30. Juni 2027 für 2025
- Folgejahre: bis 30. Juni des Übernächstjahres
- Zahlung: gleichzeitig mit Erklärungsabgabe
Buchhalterische Anforderungen
- Erweitertes Reporting: GloBE Income, Adjusted Covered Taxes
- Konzern-konsolidierte Buchhaltung nach IFRS oder GAAP
- Detaillierte Aufzeichnungen über materielle Anlagen und Lohnkosten (für SBIE)
Strafen
- Verspätete Erklärung: 1 % der Top-Up-Tax, mindestens 10.000 PLN
- Falsche Erklärung: bis 100 % der unterzahlten Top-Up-Tax
- Keine Buchhaltung: bis 1.000.000 PLN je Jahr
Welche polnischen Konzerne sind betroffen?
- Holdings polnischer Eigentümer mit Auslands-Töchtern (z. B. CCC, Maspex, Inglot)
- Polnische Tochtergesellschaften globaler Konzerne (z. B. Volkswagen Poznań, IKEA, Carrefour)
- Banken-Holdings mit internationaler Aktivität (PKO BP, Pekao)
- Energie-Konzerne (Orlen, PGE, Tauron, Enea)
Geschätzt: ca. 600-800 polnische Steuerpflichtige fallen unter Pillar 2.
Auswirkungen auf KMU
Direkte Auswirkungen nur auf Konzerne über 750 Mio. EUR Umsatz. Kleine und mittlere Unternehmen sind nicht direkt betroffen.
Indirekte Auswirkungen:
- Polen wird Steuerwettbewerb anders führen — Estnischer CIT bleibt attraktiv für KMU
- Sondersteuer-Regime (z. B. SSE — Sonderwirtschaftszonen) müssen Pillar 2-konform werden
- Buchhaltungsstandards können sich auch für mittlere Unternehmen verschärfen
Pillar 2 vs. Estnischer CIT in Polen
Wichtige Frage: Ist der estnische CIT (10 % bei kleinen Steuerpflichtigen) Pillar-2-konform?
- Estnischer CIT gilt nur für Sp. z o.o. mit Umsatz unter 2 Mio. EUR — also weit unter der 750-Mio.-EUR-Schwelle
- Diese Unternehmen fallen nicht unter Pillar 2
- Bei Konzern-Töchtern, die formal estnischen CIT nutzen wollen: Wechselwirkung möglich, aber selten relevant
Vergleich Polen — Deutschland
| Aspekt | Polen | Deutschland |
|---|---|---|
| Inkrafttreten | 1.1.2025 | 1.1.2024 |
| QDMTT | Ja (Polnische QDMTT) | Ja (Deutsche QDMTT) |
| IIR | 2025 | 2024 |
| UTPR | 2026 | 2025 |
| Erste Erklärung | 30.06.2027 für 2025 | 30.06.2026 für 2024 |
FAQ
Bin ich als JDG-Inhaber betroffen?
Nein. Pillar 2 betrifft nur Konzerne mit konsolidiertem Umsatz über 750 Mio. EUR — de facto nur sehr große Multinationals.
Wirkt Pillar 2 auf Sp. z o.o. mit Umsatz 50 Mio. EUR?
Nein, sofern keine Konzernzugehörigkeit zu einem Konzern über 750 Mio. EUR.
Was ist „Safe Harbour" in Pillar 2?
Vereinfachungsregel: Wenn die Jurisdiktion bestimmte Schwellenwerte erfüllt (z. B. Routine-Profit-Test, ETR-Test), entfällt die volle Pillar-2-Berechnung. Polen gilt für 2025-2026 als Safe-Harbour-Jurisdiktion für viele Konzerne.
Welche Sondersteuer-Regime sind gefährdet?
Polnische Sonderwirtschaftszonen (SSE), IP Box, Forschungs-Vergünstigungen — können bei großen Konzernen die ETR unter 15 % drücken und Top-Up-Tax auslösen. Bei KMU bleiben sie attraktiv.
Brauche ich einen Spezialberater?
Bei Konzernen über 750 Mio. EUR — definitiv. Pillar 2 ist eines der komplexesten Steuerthemen weltweit. KPMG, EY, PwC, Deloitte bieten dedizierte Pillar-2-Teams.